Presse: Ein Ort für Kunst und Handwerk

Darmstädter Echo vom 25. März 2010: Ein Ort für Kunst und Handwerk

Werkhof: Im neuen Atelier- und Werkstatthaus am Sandacker arbeiten unterschiedliche Gewerke zusammen.

Schmuckgestalterin Kim Ehrentraut ist eine der neuen Mieterinnen im ,,Werkhof am Sandacker“. In ihrem Atelier präsentiert sie Schmuck in Vitrinen, auf dem Arbeitstisch direkt daneben liegen die feinen Werkzeuge und die farbenfrohen Materialien, die sie für ihre kleinen Kunstwerke braucht.
Die junge Frau genießt die ,,Mischung von Kunst und Handwerk“. Und die offene und lockere Atmosphäre unter den Handwerkern und Künstlern, die das neue Atelier- und Werkstatthaus im Sandacker 16 bezogen haben. ,,Man bekommt einen frischen Blick auf die eigene Arbeit“, sagt sie. Kim Ehrentraut ist eine von vier Künstlerinnen, die sich im ersten Stock des Gebäudes eingerichtet haben. Sie teilt sich ihr Atelier mit einer Gold- und Silberschmiedin, daneben arbeiten die Malerin Susanne Hessenthaler und die Bildhauerin Helena Garcia Moreno. Im dritten Stock liegt eine Penthouse-Wohnung.

Im Parterre des knapp 400 Quadratmeter großen Gebäudes haben Schlossermeister Joachim Plößer und seine Facharbeiter ihre modernen Schweißanlagen stehen, auf denen sie sowohl klassische Handwerksarbeiten als auch ausgefallene Metallbauideen umsetzen. Verarbeitet werden verschiedene Arten von Edelstahl und Aluminium.
1988 hatte Plößer am Sandacker 20 seine erste Werkstatt, dann zog er ins Ried, nun ist er wieder zurück in der Heimstättensiedlung. ,,Mit gefällt das Werkhof-Prinzip und die Verbindung der unterschiedlichen Gewerke unheimlich gut“, sagt Plößer.
Von allen Werkstätten fällt der Blick durch große Fenster auf den Hof, in dem Stein-Rohlinge und fertige Skulpturen nebeneinander stehen. Ursprünglich diente der komplette Innenhof als Lagerfläche für Steinmetz Henning Wittmann, der gegenüber vom Neubau seine Werkstatt hat.
Wittmann ist der Eigentümer des rund 1600 Quadratmeter großen Grundstücks, Bauherr des Werkhofs und mit seiner Frau Ana glücklich über die neu entstandene Kunstinsel. ,,Handwerk gemischt mit Kunst und Design – das Prinzip gefällt uns“, sagt sie. Die neuen Bewohner des Werkhofes teilen nicht nur ein Gelände, sie arbeiten auch inhaltlich zusammen. ,,Das ist Teil des Konzepts“, erklärt Wittmann.
Was er mit Achim Plößer und dem direkt gegenüber angesiedelten Gartenmöbel-Fachmann Eberhard Uhland herstellt, sind ausgefallene Sachen, ,,nichts von der Stange“. Ganz gleich ob Tische, Gartenbänke oder Teewagen für draußen ,,wir erfinden die Möbel nicht neu, wir machen sie anders“, sagt Joachim Plößer.
Bei der Produktion arbeiten die Werkhof-Mitglieder Gewerke übergreifend zusammen: Plößer fertigt die Halterungen, Wittmann die Ablage, Uhland erledigt die klassischen Arbeiten des Schreiners. Ursprünglich habe es in unmittelbarer Nachbarschaft vier Schreinereien gegeben, erinnert er sich. Der ,,neue Mix “ der Gewerke sei spannend und recht unkompliziert. ,,Es ist toll, wenn die Zulieferer mit dem Sackkarren über die Straße fahren“, sagt Uhland.
Lange Wege fallen weg, und der aufwendige Vertrieb der Stücke läuft ebenfalls vor Ort: Im neuen Innenhof des Werkhofs soll eine Dauerausstellung für Besucher jederzeit zugänglich sein. Geschaut, beraten und gekauft werden kann immer, wenn die Handwerker vor Ort sind, sagen Wittmann und Plößer.
Zur Straße am Sandacker hin ist der Neubau verschlossen und arrondiert so den Hof zur Straße. Es sei wichtig gewesen, in der für die Heimstättensiedlung typischen Heterogenität aus Wohnen und Gewerbe ein ,,klares, ausdrucksstarkes Gebäude“ zu entwerfen, sagt Dagmar Leichtweiß vom Architekturbüro Team 4.
So steht der Neubau nun auch selbstbewusst zwischen Wäscherei zur rechten und Wohnhäuser zur linken. Die vorhandene Freifläche habe jetzt die Chance, ,,ein echter Hof zu sein“, sagt die Architektin. Das Gebäude ist im Inneren so geplant, dass es leicht für neue Nutzer anzupassen ist. Die Räume sind groß und klar in der Struktur, das statische System wurde minimiert, um maximale Flexibilität zu haben. In einem großen Schacht verlaufen alle Leitungen, und die Treppe haben die Planerinnen – neben Dagmar Leichtweiß gehört Esther Hollmann-Wittmann zum planenden Büro – nach außen verlegt.
Jetzt, da der Frühling kommt, gewinnt natürlich auch der Hof täglich an Bedeutung. Den, so Wittmann, müsse man jetzt ,,ein wenig aufräumen“. Was jedoch für einen Steinmetz kein wirkliches leichtes Unterfangen ist.

Werkhof

Der Werkhof am Sandacker 16 ist Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet – wie auch die Gartenmöbelausstellung von Uhland im Sandacker 17.

(Quelle: Darmstädter Echo vom 25. März 2010)

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